GDPR Cookie Consent by Free Privacy Policy Stammtisch Ruamzuzla

Elf Freunde müsst ihr sein, wenn ihr Siege wollt erringen.

Gemäß diesem Sprichtwort, was ursprünglich vom Sockel der „Victoria-Statue“ stammt (das ist das Vorgängermodell der heutigen Fußball-Meisterschale) und gerne mit Sepp Herberger in Verbindung gebracht wird, wurde die Zahl der Stammtischmitglieder auf die Zahl 11 erweitert. Böse Zungen würden jetzt behaupten, dass die Zahl 11 im Karneval auch als Narrenzahl bekannt ist, aber uns gefällt die erste Version einfach besser.

Aber alles von Anfang an. Unser Vorstand Fabian Haydn war Mitte des Jahres 2025 mal wieder in Passau in unserem angemieteten Dreiflüsse-Büro, um nach dem Rechten zu sehen, die Briefpost zu beantworten und ein kleines Pläuschchen mit Stammtischfreund und Bürgermeister der Stadt Passau Jürgen Dupper zu halten. Im Briefkasten befand sich u.a. ein unscheinbares Kuvert, welches sich als Bewerbungsschreiben entpuppte. Unser langjähriges „erweitertes Mitglied“ Johannes Pichler, besser bekannt als Jonny, die Grille, traute sich aus seiner Komfortzone und bekundete sein Interesse am offiziellen Beitritt zum Stammtisch Ruamzuzla als 11. Mitglied. Gewohnt wort- bzw. in diesem Fall schreibgewandt überzeugte er die aktuellen Stammtischmitglieder, ihn zu einer erlesenen Aufnahmeprüfung zuzulassen. Besonders der Satz „mir wads a inneres Blumenpflücken, a Teil von de Ruamzuzla zum sa“ hat es uns angetan. Das ging runter wie ein Schluck vom weltbesten Olivenöl aus dem Jahre 2024, dem Oro Bailen Picual aus Spanien. Die letzten Zweifler überzeugte er mit seiner Aufzählung, warum er ein guter Ruamzuzla wäre und was wir von ihm hätten.

  • -          Es kennts mi scha
  • -          I kenn eng scha
  • -          Biertischprobeschläfer
  • -          1,5-Lieder-Harmonikaspieler
  • -          Senkung des Altersdurchschnitts von (damals) 34,8 auf 34,27 Jahre

Ihr stimmt uns sicherlich zu, Jonny hats verdient, eine Chance zu bekommen.

Dies wurde ihm an seinem 30. Geburtstag vor seiner Familie und seinen Freunden übermittelt. Anhand der geflossenen Tränen konnte man gut erkennen, wie gerührt Jonny über unsere Gutmütigkeit gewesen sein muss.

Aus terminlichen Gründen wurde die alljährliche Weihnachtsfeier kurzerhand abgesagt. Stattdessen sollte an diesem Tag die Tauglichkeit des Täufers Johannes auf Herz und Nieren geprüft werden.

Der Tag begann für uns alle sehr früh. Für Johannes aber noch deutlich früher (vielleicht ist uns ein kleiner Tippfehler unterlaufen, als wir ihm die Uhrzeit mitteilten, wann er bereitstehen solle, aber gut, wer ist schon fehlerfrei). Gewohnt lässig stand er mit den zu bereitstellenden Utensilien (aktuelles Telefonbuch aus der Region und eine Gartenschere) vor seiner aktuellen Wahlunterkunft in den Slums von Freyung. Hier passierte ihm der erste Fauxpas, da er für die weit angereisten Stammtischmitglieder kein kühles Getränk bereitstellte. Bei -15° C sei es ihm ein klitzekleines bisschen verziehen. Die erste kleine gemeinsame Wanderung zum Stadtplatz, also Johannes ging und wir fuhren, führte uns zum Edeka-Center in Freyung. Dort erhielt Jonny die Aufgabe, sich ohne Geld drei einigermaßen wertvolle Gegenstände aus den umliegenden Geschäften zu erbetteln. Heimspiel für den Vertriebler, dem Charme konnte nahezu niemand widerstehen, so war die Prüfung schnell vorüber. Der nächste Stopp führte uns spontan zu einem Friseursalon am Stadtplatz Freyung. Die Prüfung war zwar so gar nicht geplant, aber wir fanden die Idee cool, dass er sich unser Stammtisch-R in seine Haare rasieren lassen muss. Ein Vergelts Gott an dieser Stelle nochmal an die coolen Leute des örtlichen Friseurladens.

Im Anschluss verlegten wir in Richtung Heimat, dem wunderschönen Dörfchen Schönbrunn am Lusen. Da wir aber nicht mitgedacht hatten und in den Autos keinen Platz für Jonny eingeplant hatten, mussten wir auch hier umdisponieren und ließen Jonny einfach nach Schönbrunn laufen. Dass wir keine Unmenschen sind, zeigte sich darin, dass wir ihm sogar einen Laufrucksack mit einer flüssigen Stärkung (Wodka-Bull) besorgten. Als Zwischenstopp planten wir den LIDL-Parkplatz an, um nach dem Gemütszustand von Jonny zu schauen. Aber der topfitte Schönbrunner Bomber kam nahezu im Ruhepuls am Parkplatz an. Dort wartete die Aufgabe, dass er vor den Eingängen der dortigen Einkaufsmärkte mit seiner Harmonie spielen und sich zugleich ein Trinkgeld erspielen muss. Da waren wir selbst etwas erstaunt, wie schnell sich die Kasse füllte, aber gut, die ein bis zwei Lieder, die Jonny nüchtern spielen kann, hat er halt auch wirklich gut drauf. Weiter ging die Reise in die Heimat von Jonny, nach Raimundsreut. Genauer gesagt ins dortige Schützenheim. Für Jonny natürlich im Laufschritt, wir hatten ja immer noch keinen Platz im Auto…

Im Schützenheim angekommen hatten wir Ruamzuzla die Möglichkeit, in aller Ruhe 3-4 Bierchen zu trinken, bis Jonny endlich eintraf. Nach einer kurzen Dusche und einem Anwärter-Shirt wartete die nächste Prüfung, die Bierprobe. Unser Prüfling erhielt 7 Schoppengläser, gefüllt mit 7 unterschiedlichen Bieren (die Biersorten waren Jonny bekannt). Seine Aufgabe war, 3 von 7 Bieren richtig zuzuordnen, er schaffte ganze 0 richtig zugeordnete Biere. Als Strafe durfte er alle 7 Schoppengläser bis zum Glasboden leeren.

Nun war es soweit, die restliche Prüfung wurde in unserem Stammlokal, beim Frede und da Andrea, durchgeführt. Nach einer ersten Stärkung mit fester Nahrung durfte Johannes als kleines Willkommensgeschenk und Teil der Prüfung eine Maß Bier exen. Diese Prüfung sorgt immer wieder für den ein oder anderen neidischen Blick aus der Runde. Zu unserem Erstaunen benötigte Jonny drei Ansätze, bis er die Maß austrank - die bereits zweite größere Enttäuschung an diesem Tag. Angespornt von seinem Fehlverhalten zeigte Johannes dafür umso mehr Einsatz bei seiner nächsten Prüfung. Er musste frei ausgewählte Personen anrufen und ihnen mittels geschickter Gesprächsführung Begriffe entlocken, die zuvor vom Stammtisch festgelegt wurden. Trotz allergrößter Bemühungen war dieses Unterfangen gar nicht so einfach, wie wir alle feststellen mussten. So wurden die Bedingungen etwas erleichtert und es wurden gezielt Personen ausgewählt. Prüfung geschafft, wenn auch nicht wie geplant, aber auf jeden Fall eine Erheiterung für alle.

Nach diesem Hoch kam das nächste Tief. Fragerunde war angesagt. Jonny musste sich pro Stammtischmitglied einer Frage stellen, allesamt mit Bezug zum Stammtisch. Pro falsch beantwortete Frage musste er einen Schnaps trinken. Kurze Zusammenfassung: teils sehr einfache Frage, Jonny musste 10 Schnäpse trinken, die richtig beantworteten Fragen kann sich somit jeder selbst ausrechnen. Es folgte die obligatorischen Runde mit dem berühmtberüchtigten Stammtischspiel, welche der Prüfling gänzlich ohne Strafe überstehen musste. Dies gelang ihm, sodass er zu seiner letzten Prüfung antreten durfte. Ein kurzer Vortrag sollte es werden, hauptsächlich darüber, warum Jonny zum Stammtisch möchte und was er für einen Mehrwert in den Stammtisch bringen würde. Zu hören bekamen wir ein Gefasel von *bla bla bla* bis hin zu *mimimi*. War es der Alkohol? War es die Aufregung? Was war los mit dem sonst so wortgewandten Außendienstmitarbeiter. Enttäuscht von dieser Performance wurde Jonny nach draußen geschickt, um sich zu beratschlagen. Heiße Diskussionen folgten (sagte uns zumindest der Wirt am Folgetag). Der ganze Tag wurde resümiert, die erbrachten Leistungen wurden ausgewertet und letztendlich wurde einstimmig entschieden, der Jonny wird ein Ruamzuzla.

Die anschließende Taufe mit dem Stammtischschnaps durch unseren Vorstand Fabian Haydn, gepaart mit warmen Worten und der Übergabe des Stammtisch-Poloshirts, beendete den langen und anstrengenden Prüfungstag für uns alle. Es konnten endlich ausgelassen und völlig entspannt die restlichen Nachtstunden genossen werden. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass wir nun eine ganze Fußballmannschaft sind, mindestens Kreisliga-Niveau. Wobei, sogar ein Mittelfeldcrack der Lusenkicker hat eigenen Aussagen zufolge Bezirksliga-Niveau, also was soll der Geiz, wir sind Champions League.